[Ausgelesen] Nicole Jacquelyn: Craving Trix

Next Generation Aces, Bd. 1



Cover: Craving Trix (Nicole Jacquelyn)

Inhalt:

Cameron Harrison war schon immer Bellatrix Whites große Liebe, schon seit sie ein Kind gewesen war. Einst war er ihr bester Freund, ihr engster Vertrauter und ihr war immer klar gewesen, dass er irgendwann ganz und gar ihr gehören würde. Doch dann brach er ihr das Herz.

Seit nunmehr fünf Jahren der Funkstille zwischen ihnen ist der Motorrad Club, in dem sie aufgewachsen sind, unter Beschuss. Cam sieht dies als Möglichkeit, sich Trix wieder anzunähern. Denn was er mit ihr damals aufgegeben hatte, riss ein Loch in sein Leben, das er ohne sie nicht füllen kann. Doch neue Ereignisse mischen sich mit alten Erinnerungen, und sie sind beide nicht auf die Auswirkungen vorbereitet.

– Quelle: Sieben Verlag –

Autor:Nicole Jacquelyn
Titel:Craving Trix
Originaltitel:Craving Trix
Reihe:Next Generation Aces / Aces and Eights MC Spin-off
(The Aces‘ Sons / The Aces Spinoff)
Band:1
VÖ:29. März ’19
ISBN:978-3864438363
Genre:Biker Romance

Einschätzung von Kathi Rubel:

Bei diesem Buch stellt sich unweigerlich die Frage: Ist Liebe genug? Oder genauer: Reicht es aus, einen anderen Menschen zu lieben, um mit ihm glücklich werden zu können? Reicht es aus, um ein gemeinsames, erfülltes Leben zu führen? Oder haben äußere Umstände und innere Unsicherheit viel mehr Gewicht? Wie viele Probleme und Missverständnisse kann die Liebe überwinden, bevor sie scheitert? Wie viele Was-wäre-wenns hält sie aus? Wie viel Sturheit, Drama und Geheimnisse braucht es, um Glück in reinen Schmerz zu verwandeln? Und wann siegt die Liebe über Ängste, Verbitterung und Schuld?

Ich glaube, nach dieser Einleitung ist klar, dass „Craving Trix“ keine locker-leichte Liebesgeschichte ist. Sie ist dramatisch, verzweifelt, schmerzhaft, rau und dennoch auf ganz eigene Art schön.

Cameron und Bellatrix sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich – bis zu dem Moment, als in Trix‘ letztem Highschooljahr die platonische Sandkastenliebe der beiden zu etwas gar nicht mehr Platonischem wird. Dass Trix (vom 6 Jahre älteren Cameron zärtlich „Bea“ oder „Sweetbea“ genannt) erst 17 Jahre alt und somit noch minderjährig ist, bringt Cam in ernsthafte Schwierigkeiten, denn ihre männlichen Verwandten würden eine Beziehung auf keinen Fall tolerieren. Ab diesem Zeitpunkt ist nichts mehr, wie es war: Trix zieht sich zurück, redet 4 Jahre fast kein Wort mit Cam. Sie leiden stumm, ohne dass der jeweils andere davon weiß. Doch als der Club bedroht wird, entscheidet sich Cam (der inzwischen von den Bikern Hulk genannt wird) zu handeln – denn auch Trix ist in Gefahr. Und er wird nicht zulassen, dass ihr etwas geschieht.

Es ist eine Biker Romance mit harten Kerlen, starken Frauen und unverblümter Rohheit, mit einem Gefühlschaos, Wut und Zerstörung – und einem Happy End. Die Emotionen fahren Achterbahn, denn beide Hauptfiguren haben traumatische Erlebnisse hinter sich, die ihre jetzige Beziehung beeinflussen. Ich habe so gelitten, war wütend, berührt, schockiert und am Ende unglaublich erleichtert. Das ist nichts für Zwischendurch. Diese Geschichte hat meine ganze Aufmerksamkeit verlangt und mich zeitweise richtig mürbe gemacht. Wie kann es sein, dass sich zwei Menschen so sehr lieben und doch nicht glücklich werden können? Wie ist es möglich, dass sie einander einfach nicht verstehen, wenn es darauf ankommt, obwohl sie sich schon ewig kennen? Ich war im Mittelteil völlig fertig … Was durchaus positiv ist, denn ich habe während des Lesens extrem viel gefühlt. Und die Erlösung, die Erleichterung, das pure Glück am Ende waren es definitiv wert.

Die rohe Intensität der Erzählung hat mich sofort gepackt. Dennoch fiel mir der Einstieg schwer – was allerdings nicht an der Geschichte selbst lag, sondern an der Übersetzung. Ich habe nach den ersten Kapiteln sogar in den Originaltext hineingelesen, um zu prüfen, wer an dieser holprigen Schreibweise schuld ist … Und siehe da: Die Autorin hat alles richtig gemacht! Die englische Version liest sich flüssig, die Gedanken der Protagonisten und auch die Dialoge sind völlig stimmig. Das kann man von der deutschen Übersetzung leider nicht behaupten – zumindest am Anfang. Mir ist aufgefallen, dass teilweise ganze Sätze fehlen und viele Passagen inhaltlich ungenau wiedergegeben werden. Die Gespräche der Protagonisten wirken dadurch etwas konfus und nicht ganz nachvollziehbar. Zum Glück wird das mit der Zeit besser. Etwa nach dem ersten Drittel ist alles in Ordnung, da scheint die Übersetzerin endlich ihren Rhythmus gefunden zu haben.

Aber zurück zum Inhalt: Es geht um den Aces and Eights Motorcycle Club, der neben seinen illegalen Geschäften auch eine legale Werkstatt betreibt, in der viele der Mitglieder arbeiten – so auch Cam. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft, eine große Familie mit strikten Regeln und einer flachen Hierarchie, in der Loyalität alles bedeutet. Die Männer sind knallhart. Nur ihren Old Ladys (Biker-Vokabular für feste Freundinnen und Ehefrauen der Clubmitglieder) zeigen sie ihre verletzliche Seite, nur ihren Familien gegenüber sind sie sanft und liebevoll. Sie sind dominant, besitzergreifend und extrem beschützend. Ihre Frauen sind stark und unabhängig, haben sich aber meist für ein Leben als Hausfrau und Mutter entschieden, um für ihre Männer da zu sein, ihnen den Rücken freizuhalten und sie nach Kräften zu unterstützen. Cam passt da genau ins Bild. Er wurde in den Club hineingeboren, ist in dieser Szene aufgewachsen und wurde davon geprägt. Bei Bellatrix sieht es ein wenig anders aus. Auch ihre Wurzeln liegen im Club – ihr Großvater ist sogar der Vizepräsident – und doch will sie sich unbedingt ein Leben außerhalb aufbauen. Sie studiert, möchte arbeiten und auf eigenen Beinen stehen. Sie will auf keinen Fall wie ihre Mutter werden und das sorgt in mehr als einer Hinsicht für Spannungen und Probleme.

Bellatrix ist Dragons und Brennas Tochter. Deren Geschichte bildet den Auftakt der Vorgänger-Reihe „Aces and Eights MC“. Die Umstände ihrer Beziehung haben mich zunächst etwas verwirrt, weil ich das Buch (die ganze Reihe!) bisher nicht gelesen habe und ständig von Brennas brutalem Ex-Ehemann die Rede war. Diese Dreierkonstellation habe ich nicht so recht verstanden, aber nach einem Blick auf den Klappentext von „Craving Constellations – Hautnah“ war dann alles klar. Brenna ist übrigens Poets Tochter, um dessen Beziehung mit Amy es in Band 4 geht.

Cameron wurde von Farrah und Casper adoptiert, nachdem seine Familie bei einem Hausbrand ums Leben kam – na ja, mit Ausnahme seines Vaters, der danach verrückt wurde und von Cam erschossen werden musste. Diese Geschichte wird in Band 3 erzählt. Daher empfehle ich, die 4-teilige Reihe vor „Craving Trix“ zu lesen (oder wenigstens die Klappentexte).

Theoretisch lässt sich jeder Band auch unabhängig lesen – sowohl von der ursprünglichen Reihe als auch vom Spin-off. Die Autorin gibt sich nämlich große Mühe, die bisherigen Geschehnisse zu umreißen, wenn es nötig ist. Dennoch: Im Club passieren so viele dramatische, schwerwiegende Dinge, es gibt so viele familiäre und freundschaftliche Bindungen, so viele prägende Ereignisse in der Vergangenheit, dass es ratsam ist, alles der Reihe nach zu lesen. Ich für meinen Teil bin nun extrem neugierig und werde das Lesen der bisher veröffentlichten Bücher demnächst nachholen … Und dann erscheint im August auch „Craving Molly“, Band 2 der Next-Generation-Aces-Reihe.

Fazit:

Biker, Drama und eine Kindheitsliebe, die sich völlig falsch entwickelt, bis nach sehr viel Schmerz und Trauer endlich alles gut wird. Ich habe es geliebt – das Gefühlschaos, die Spannung, das Happy End und jeden einzelnen Charakter des Clubs.

Wertung:
4,5 Punkte
4,5 Punkte

Anmerkung:
Es ist ratsam, die Reihe „Aces and Eights MC“, ebenfalls im Sieben Verlag erschienen, vor „Craving Trix“ zu lesen:

1. „Craving Constellations – Hautnah“ (Brenna & Dragon)
2. „Craving Redemption – Erlösung“ (Callie & Grease)
3. „Craving Absolution – Vergebung“ (Farrah & Casper)
4. „Craving Resurrection – Erweckt“ (Amy & Poet)

Aber Achtung:
Wer eine deutliche, tabulose Sprache und explizite Sexszenen nicht mag, sollte die Finger davon lassen.

Kommentar verfassen: